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Hier stelle ich regelmäßig meine neuen Bilder vor, manchmal auch die Geschichte dahinter. Dazu gibts (soweit die Zeit es zulässt) Reiseberichte, den ein oder anderen Blick hinter die Kulissen sowie Tips zum Fotografieren und zur Ausrüstung.

Photokina 2016 - Ein Erfahrungsbericht

Nach langer Wartezeit war dieses Jahr endlich wieder Photokina angesagt. Die größte und bedeutendste Messe für Fotografie findet alle zwei Jahre in Köln statt. Ich war am vergangenen Wochenende dort, hier mein kleiner Erfahrungsbericht:

Nachdem das erste Gewusel zwischen Sicherheitskontrollen (deutlich mehr als 2014) und Eintrittskartenscannern  überwunden ist, lockt zur Linken bereits der Canon-Stand mit "Come and see". Als Canon-Fotograf denke ich mir "Yes, I will" und erstürme die erste Messehalle (insgesamt warten sieben riesige Hallen darauf, erkundet zu werden). Da man sich auf dieser Fotomesse der Superlative generell nicht lumpen lässt, hat Canon auch gleich mal in einer meterlangen Vitrine das gesamte EF-Objektiv-Lineup von 8 bis 800mm aufgebaut.

Nachdem es mir nach einem intialen Moment der Entzückung gelingt, den Blick von der 150000 Euro Glassammlung zu lösen, entdecke ich das im Vorfeld auserkorene Objekt der Begierde: 5D Mark IV prangt in weißen Lettern auf einem roten Schild. Sogleich jedoch Ernüchterung: um besagtes Schild drängen sich Menschenmassen in Fünferreihen, um ihre Hände an die neue Kamera zu bekommen. Die schlimmsten Befürchtungen schienen sich zu bestätigen. Hätte ich die Wahl gehabt, wäre ich lieber unter der Woche gekommen (die Photokina hatte schon am Dienstag begonnen). Doch mangels Urlaub blieb nur das Wochenende, wo selbst Onkel Willi, der irgendwann zu Vorkriegszeiten zuletzt mal auf einen Auslöser gedrückt hat, seinen Bierbauch durch die Messehallen schieben muss. Doch ganz so schlimm war's dann doch nicht. Zwar habe ich einige Onkel Willis gesehen, aber der Andrang nahm im Laufe des Tages doch deutlich ab. So konnte ich schließlich auch die beiden Kamera-Neuheiten am Canon-Stand weitgehend unbehelligt ersten Tests unterziehen.

Sowohl die 5D Mark IV als auch die Eos M5 haben bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Schnell, durchdachte Bedienung, verbesserter Bildsensor, geiles Autofokussystem (wenn man von einer 6D mit nur einem Kreuzsensor und einer Eos M1 mit Kontrastautofokus kommt, ist natürlich fast alles eine Verbesserung). Der Dual-Pixel-AF in der M5 funktioniert richtig flott und präzise. Mit der Touch&Drag-Funktion kann man außerdem beim Blick durch den elektronischen Sucher die Position des Fokusfelds durch Fingerbewegung auf dem Touchscreen ändern, was selbst in der kurzen Zeit die ich mit der Kamera hatte schon super funktioniert hat. Auch das mit der M5 vorgestellte EF-M 18-150mm 3,5-6,3 hat einen sehr guten und scharfen Eindruck gemacht. In Kombination mit dem 11-22mm UWW eine tolle, kompakte Lösung für Landschafts- und Reisefotografie. Die beiden Objektive teilen sich mit 55mm sogar den selben Filterdurchmesser.

Weiter ging's an den Tamron-Stand, wo mein ganz persönliches Photokina-Highlight wartete, denn in der dortigen Galerie sollte eines meiner Bilder ausgestellt werden: die Milchstraße über Burg Trifels in der Pfalz. Fotografiert diesen Sommer in einer sternenklaren Nacht mit dem Tamron 85mm 1,8. Das Bild kam so gut an, dass Tamron anfragte, ob Sie es in der Gallerie auf Ihrem Stand austellen dürfen. "Yes, you can!!!" Noch vor zwei Jahren, als ich zum ersten Mal die Photokina besuchte, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass beim nächsten Mal eines meiner Bilder ausgestellt sein wird. Und hier ist das gute Stück:

Außerdem konnte ich bei Tamron die verbesserte Version 2 des 150-600mm 5-6,3 austesten, bei dem mich v.a. der sehr flotte Autofokus überrascht hat. Definitiv ein äußert interessantes Objektiv (nicht nur) für die Tierfotografie!

Und noch ein Highlight in eigener Sache: Im aktuellen Tamron-Magazin (Ausgabe 2, Herbst 2016) wurde ein Auszug meines Artikels mit Tipps und Tricks zum Fotografieren in der Dämmerung abgedruckt. Den Artikel habe ich für Tamron's Online-Blog (http://www.tamron.eu/de/magazin/blog/) geschrieben, wo er im Laufe des Jahres noch veröffentlicht wird. Jetzt gibt es im Print-Magazin schon mal einen ersten Einblick!

Aber zurück zur Photokina: was gab's sonst noch zu sehen? Jede Menge. Wer sich für die Technik nicht so sehr begeistert, kommt sicherlich bei einer der vielen Ausstellungen auf seine Kosten. Besonders eindrucksvoll war z.B. wieder die Leica-Gallerie, u.a. mit der Streetfotografie-Serie "American Made" von Bruce Gilden. Die Portraits von Menschen, für die der "American Dream" wohl nicht ganz in Erfüllung gegangen ist, wirken auf 3m großen Leinwänden noch intensiver.

Außerdem gab es wieder spannende Live-Shootings, Reiseberichte und auf der "Professionals Stage" interessante Vorträge für Berufsfotografen und solche, die es werden möchten. Große Themen (wenngleich für mich persönlich weniger interessant) waren dieses Jahr außerdem Virtual Reality und Drohnen (in einer Halle war sogar ein ganzer Flugparcours aufgebaut).

Ich war Samstag und Sonntag dort. Wer auch nur ansatzweise alles mal kurz gesehen haben möchte, sollte auf jeden Fall zwei Tage einplanen. Als Erinnerung fand schließlich noch ein kleines Souvenir den Weg in meine Tasche: von der Rolleiflex bis zum IPhone 6s fast 100 Jahre Fotografie-Geschichte auf einem T-Shirt, genial!